TOP 

Autorinnen-Trio las in Heidmühle aus seinem Gedichtband „Als wäre es nichts“



Prägnante Wortwahl, eindringliche Gefühle: Das kennzeichnet die Gedichte von Christa Bruns, Gudrun Rose und Brigitte Schulze-van der Wal.

Bericht in der Wilhelmshavener Zeitung, 12.9.2018, S. 12, Autor: Henning Karasch

Heidmühle – Im voll besetzten Saal des Martin-Luther-Hauses in Heidmühle stellten die Autorinnen Christa Bruns, Gudrun Rose und Brigitte Schulze-van der Wal ihren Lyrikband „Als wäre es nichts“ (Athena-Verlag Oberhausen, 12,90 Euro) vor. Der Titel bezieht sich auf Facetten ihres Lebens, die die Autorinnen in ihren Texten verarbeiten.
In seiner Begrüßung lobte der Leeraner Autor Gerd Constapel das Buch als außerordentlich gelungenen Poesieband. Die Texte seien geheimnisvoll, ohne hermetisch zu sein, läsen sich aufwühlend realistisch, aber nie sentimental, und sie stellten Alltagsszenen in ungewöhnlichen Textkonstruktionen dar.
Die Texte Brigitte Schulze-van der Wals bestechen durch ihre knappe Wortwahl. „Balsam – Geöffnete Arme ölen verrostete Pforten“ war ein Gedicht. Genial war auch die Bedeutungsverschiebung in „Liebe – für Fortgeschrittene“. Die Gäste hörten angeregt zu. „Ping Pong“ war ein Text, der den Rhythmus des Spiels tatsächlich aufnahm.
Die Autorin hat eine Reihe „Frauen“-Gedichte geschrieben. So stellte sie eine Frau dar, die am Meer von Ekstase und Weite träumte, sich aber ins Familienleben fügen muss. Eine andere lief mit Schwips, was zu einem Gips führte. Brigitte Schulze-van der Wal trug ihre Gedichte, oft mit einem Augenzwinkern geschrieben, mit viel Emphase vor.
Gudrun Rose entführte mit ihrem Gedicht „Atmen“ an südeuropäische Gestade. Sie verglich die Wucht der Meeresbrandung mit der vergehenden Lebenszeit. „An der Gracht“ verarbeitete Erzählungen eines Autorenkollegen von einer Amsterdam-Klassenfahrt und eigene Eindrücke. Kindheitserinnerungen der Nachkriegszeit lagen „Längst vorbei“ zugrunde. Als Kind habe sie sich auf den Frühling gefreut, sagte die Wilhelmshavenerin. Heute sei der Herbst ihre liebste Jahreszeit. Deshalb widmete sie ihm das Gedicht „Kleckse“.
„Andere Zeiten“ führte Christa Bruns ihren Gästen vor Augen und Ohren. Darin fragte sie „Wo ist sie geblieben, die ich war, die gut Gelaunte, die Junge, nicht unterzukriegen?“ Das „Tropfen, Trommeln, Klopfen, Fließen“ im Gedicht „Erinnerungen an Noah“ verarbeitete laut der Diakonin den verregneten Sommer 2017. Bilder erreichten ihr Herz in besonderer Weise, verriet die Künstlerin. Sie „portraitierte“ daher lyrisch Edvard Munch, Vincent van Gogh und Piet Mondrian.
Die Autorinnen trugen auch Texte vor, die im Buch nicht enthalten sind. Die meisten Texte wurden auf Foto-Grafiken Sibet Riexingers aufgeblendet.
Für wunderbare Umrahmung sorgte Akkordeonistin Helga Urban. Die Gäste lauschten unter anderem ihrem melancholischen Stück „Am Tor zum alten Zarenpalast“, der „Springtime afternoon ballad“ mit sehnsuchtsvollen Tönen und der ruhig kreiselnden Melodie des Liedes „Oxhidanje“. Das beschwingte „Merry go round“ entließ die Gäste in den Abend.