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Hans-Hermann und Manfred Briese sowie Susanne Feith ziehen Zuhörer in ihren Bann

„EsensKULTURell“, vertreten durch Brigitte Emken, begrüßte am Dienstagabend im „Ahnensaal“ des Rathauses der Stadt Esens zahlreiche, an regionaler platt- und hochdeutscher Literatur interessierte Bürger. Die Brüder Dr. Hans-Hermann Briese, Norden, und Manfred Briese, Esens, lasen von ihnen verfasste Kurzgeschichten, Anekdoten, Balladen und Gedichte „der nicht so traurigen Art“. Sie wurden von Susanne Feith am Akkordeon begleitet, die durch ihre musikalischen Beiträge Brücken zwischen den verschiedenen Vortragsabschnitten schuf.

Die von beiden Brüdern vorgenommene Auswahl der Werke zog die Zuhörer in ihren Bann, denn beide verstanden es durch den gekonnten Einsatz von Stimme, Gestik und Mimik, ihre Vorträge in einer Art und Weise darzubieten, die kurzweilig, interessant, hintergründig, aber auch sehr humorvoll war. Diese sich so für den Zuhörer entwickelnde Hörfreude prägte den Verlauf des Vortragsabends.
Hans-Hermann Briese stellte in einer lustigen Begebenheit das Verhalten von Menschen an einer geschlossenen Bahnschranke vor, wie sie, ständig unter Zeitdruck stehend und auf die Uhr schauend, auf den kommenden Zug warten. Dieser fährt letztendlich nicht vorbei, sondern nur eine Draisine, besetzt mit zwei Personen, welche gemächlich den Bahnübergang passiert.
Beeindruckend auch die Schilderung über einen Kampf des Erzählers mit einer Mücke, die ihn durch das ganze Haus verfolgt. Die Zuhörer fühlten sich aufgrund des bildhaften und ins Detail gehenden Vortrags selbst in die Rolle des „Mückenjägers“ versetzt, der nur ein Ziel verfolgt.
Große Aufmerksamkeit bei den Zuhörern erzielte Hans-Hermann Briese, als er auf Plattdeutsch Reime über Tiere vortrug, besonders der Maulwurf und die Eule wurden als Reimgeber vorgestellt. Die Reime ließen erkennen, wie gut und ausdrucksstark, aber auch melodisch die plattdeutsche Sprache eingesetzt werden kann.
Manfred Briese trug im Wechselspiel von Platt- und Hochdeutsch ein Gespräch zwischen einem „Plattdeutschen“ und einer Urlauberin auf einem Schiff bei der Überfahrt zur Insel Norderney vor, in dem sich beide über Seehunde unterhalten, die auf einer Sandbank ruhen. Durch das geschickte Mischen von hoch- und plattdeutschen Sätzen entwickelte der Erzähler eine humorvolle und hintergründige Geschichte, die aus einer Naturbetrachtung ein humorvolles Wechselspiel von „Platt und Hoch“ entstehen ließ, an der die Zuhörer großes Vergnügen hatten. Basierend auf selbst gemachten Erfahrungen während einer Storchennestbesichtigung in einem kleinen Dorf im Baltikum trug der Erzähler ein Gedicht vor, in dem er sich aus der Sicht der Störche über die sich busweise abwechselnden Touristengruppen und ihre aus „tierischer Sicht“ gesehenen „menschlichen Verhaltensweisen“ und Ansprüche an die Störche ausließ.
Zum Abschluss trug Manfred Briese eine Geschichte über einen Schützenfestmontag in einer Stadt vor, deren Name zwar mit „Neeistadt“ bezeichnet wurde, jedoch alle Zuhörer sich schnell darüber einig waren, hier handelt es sich um Esens und sein traditionelles Schützenfest.
Neu bei der Vortragsform dieser Geschichte war, dass der Erzähler eine Mischform von Text- und Liedvortrag wählte. Begleitet von Susanne Feith am Akkordeon trug Manfred Briese die Geschichte über einen jungen Mann und ihn begleitende Begebenheiten am Schützenfestmontag vor, die einen guten Abschluss findet. Diese Form des Vortrages, verbunden mit einer gezielten und auf die erzählte Geschichte abgestimmten Liederauswahl, hat die Zuhörer sehr beeindruckt und gezeigt, dass plattdeutsche Sprache und plattdeutsche Lieder in Kombination vorgetragen zu einer interessanten und abwechslungsreichen Veranstaltungsform werden können. Die Zuhörer spendeten beiden Erzählern und ihrer musikalischen Begleitung für den gelungenen Abend viel Beifall.

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