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von Michael Hüttenberger

Es blühte ein Krokus auf sonniger Wiese.
Ich fragte mich, wie es im Plural wohl hieße,
und schaute erwartungsfroh kurz in die Runde.
Ich hoffte auf Auskunft, korrekt und profunde.

„Der Plural von Krokus heißt ganz bestimmt Kroki“,
sprach Einer, gebildet, „von Locus und Loci.
Vielleicht wird aus [us] auch am Ende ein [u:s]?
Die U-Deklinierung, dann heißt es [Kroku:s]!“

Ein Andrer bestand permanent auf: „Krokunten.
Wie Atlas, Atlanten, nur u, deshalb -unten!“
Doch, Widerspruch. Jemand erklärte: „Krokeen.
Das ist wie beim Kaktus, die Mehrzahl Kakteen.“

Wenn sie, so als Frau, etwas beitragen müsse,
dann wär ihr am liebsten: „Wie Kuss -  die Kroküsse.“
Der Nächste, genervt, meinte praktisch: „Krokusse“.
Er fahre als Busfahrer ausnahmslos Busse.

Dann ging es um Kroken, wie Venus und Venen.
„Wir sind pluralistisch!“, vernahm ich von jenen
vergeblich Befragten. Umsonst mein Bemühen.
Nun muss wohl der Krokus im Singular blühen.

©  Michael Hüttenberger