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von Gerd Constapel
 
To sehn van Westen her uns dagelikse Regenwind.
He dreiht geen bietje bi un sall ok disse Dag bedwingen.
Un van de Lechte blifft nix mehr.
En griese Olldagsslöör:
Al Weken over Weken nix befucht up 't natte Feld.
De Meedjesloten swappelvull van Water un en
Utenn is neet to sehn.
De Mensken achter d' Ruten bünd verdretelk van
Gramietergheid un Ungedüür.
In Huus un Stall un Schüür
hett nüms de Treck na buten bi dat Ungemack.        
Dat Dagbladd meldt noch Regenweer un in de eerste Rieg
van enerwaars en Krieg.
Van enerwaars daar güntsied achter 't Wulkendrieven.


Übertragung ins Hochdeutsche:

Heimat

Zu sehn von Westen her der täglich' Regenwind.
Er dreht kein bißchen bei und wird auch diesen Tag bezwingen.
Und von der Helle bleibt nichts mehr.
Ein grauer Alltagstrott:
Schon Wochen über Wochen nichts erledigt auf dem nassen Feld.
Die Ackergräben übervoll mit Wasser und ein
End' ist nicht zu sehn.
Die Menschen hinter Fenstern sind bekümmert vor
Bitterkeit und Ungeduld.
In Haus und Stall und Scheun'
sehnt sich niemand nach draußen bei dem Ungemach.
Die Zeitung  meld't noch Regenwetter und in der ersten Zeil'
von irgendwo 'nen Krieg.
Von irgendwo dort drüben hinterm Wolkentreiben.

©  Gerd Constapel