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„Bei Licht betrachtet - Dorfimpressionen“ - Lesung mit Alwine Menzel, Michael Hüttenberger und dem Posaunenchor Stedesdorf

 „Machs gut, komm bald wieder und gib auf dich Acht …“, die letzten Verse in Alwine Menzels „Liebesgedicht“ an den dementen Opa berührten, andächtige Stille im gedämpften Licht der Aula der Stedesdorfer Grundschule. Das einfühlsam vorgetragene „Bleibe bei mir“ des Posaunenchors beendete eine abwechslungsreiche und unterhaltsame Lesung.

Ein gelungener Abend, darüber waren sich alle einig: der veranstaltende Frauenstammtisch, die Akteure und die Zuhörer. Und das, obwohl im Vorfeld das halbe Organisationsteam wegen Grippe ausgefallen und einige vorbestellte Karten liegen geblieben waren. Trotzdem war die Aula gut gefüllt und dem Publikum wurde eine Menge geboten.

Es begann weihnachtlich, dem Benefizzweck angemessen, schließlich „kommt der Erlös der Weihnachtsbeleuchtung in Stedesdorf zugute“, erläuterte Antje Eden vom Frauenstammtisch in ihrer Begrüßung. Michael Hüttenbergers wunderschön  erzählte, fantasiereiche Kindergeschichte über einen Zirkus und die Esenser Bären zur Weihnachtszeit wünschte sich Mancher baldmöglichst als illustriertes Buch veröffentlicht, Alwine Menzels augenzwinkernder Text über „Fröhliche Weihnacht“ ist bereits nachzulesen in ihrem Büchlein „Nachbarschuft und Strandameisen“.

Menzels „Nachbarschuft“ war es dann, der in „Leben auf dem Lande“ über die wahren Anforderungen an ostfriesische Nachbarschaft aufklärte und damit im Publikum für heiteres Schmunzeln sorgte. Wozu übertriebene Nachbarschaftshilfe führen kann, erzählt Hüttenbergers fast schon dadaistische Kurzgeschichte „Kein Dorf wie kein anderes“. In seinen weiteren, gekonnt komponierten Impressionen über das Dorfleben - vom Eindruck, dass „nichts passiert, außer dass nichts passiert“ bis zur „Action“ bei Ernteumzug, Feuerwehrfest und Posaunenchorkonzert - fand sich manch ein Zuhörer wieder.

Alwine Menzels „Große“ und „Erste Liebe“ toppte der Posaunenchor unter der Leitung von Diedrich Dieker mit „Dat du mien Leevsten büst“, bei dem sich der halbe Saal als textsicher erwies. Überhaupt waren Texte und Musik im gut zweistündigen Programm bestens aufeinander abgestimmt.
Ebenso gut verstand es das Autorenduo Menzel/Hüttenberger in den Zwischenmoderationen, sich wohltuend selbstironisch die Bälle zuzuspielen, ihr „literarisches Pingpong“ gilt als unverwechselbares Markenzeichen auf der ostfriesischen Halbinsel.

Ausschließlich in der näheren Umgebung blieb Hüttenberger diesmal mit seinen Limericks. Mit abenteuerlicher Reimkunst begab er sich von Holtgast über Neugaude nach Dunum, Thunum und Esens, um schließlich nach Stedesdorf zurückzukehren: „Wir gehn gern per pedes in Stedes-/ dorf rüber zum Dorfplatz. Und jedes-/ mal treffen wir Enno/ samt Traktor. Nur Menno/ der kommt mit nem schwarzen Mercedes.“

In der Pause und am Ende wurde gegessen und getrunken und für den guten Zweck noch reichlich gespendet. „Machts gut und kommt bald wieder“, wünschten sich viele Besucher, was dazu führte, dass der Frauenstammtisch bereits über eine Neuauflage der Lesung im November nachdenkt – kurz bevor man Stedesdorf in erneuertem Weihnachtslicht betrachten kann.