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19.6.1943 - 11.10.2012
Geboren in Ditzum arbeitete sie nach kaufmännischer Ausbildung in Emden, Oldenburg und Aurich. Bis zu ihrem Tode lebte sie in Leer. Von Anfang an, also seit 1992, schrieb sie für den DIESEL. Hilde Frauke Wichmann-Steen ist mit ihren Texten vertreten in vielen Zeitungen, Zeitschriften, Kalendern und in einigen Anthologien. Ihr besondere literarische Leistung erbrachte sie ohne Zweifel 2011, als sie den plattdeutschen Roman "Gretiene" verfasste, der Anfang 2012 bei DIESEL erschien.

Bibliographie

Gezeitenwende. Anthologie des AK, Leer 1998
De 100 moiste oostfreeske plattdüütse Gedichten. Emden 2008
Wind. Ostfr. Autorinnen und Autoren entdecken ein flüchtiges Element. Norden 2009
Verzettelt. Anthologie des AK. 2012
1997 erschien ihr erstes Buch „Schippke up de Eemse“ im Utrooper Verlag, Leer.
2012 – also vor kurzem – brachte der Diesel-Verlag ihren Roman „Gretiene“ heraus, der sofort auf eine sehr große Zustimmung stieß.
Nach Wilhelmine Siefkes („Keerlke“ 1941 und „Van de Padd of“ 1961) trauen sich erstmals wieder eine Autorin und ein Verlag, der Welt einen langen plattdeutschen Text (280 S.) anzubieten.

Textproben


Sömmeravend

Riepekoornröken
Gröönbohnenströpen
Tuunblömennickkoppen
Boomkronenruusken
Gresshüppkersvigelinspill
Fieravendklockenlüden
Wittedooksdeken
Dunkernachtsbegünn
Sachthartenslengen
Sömmeravendsdrömen

 

De Mann an ’t Meer

Dat was in de Park an ’t Tüskenahner Meer. En mooi warm Sömmerdag, de Lücht as Siede. Up dat Meer de Seilbooten. Aanten fullen in, leten sük up ’t Water glieden, in de Feernte wassen Kinner an ’t Püttjen, overall fredelke Stillte.
De Rasen gröön un akkraat, de Beeten un Rabatten vull mit Blömen. Sömmerpracht för Oog un Hart.
An ’t Över langs stunnen witte Stohlen, van de Kurverwaltung upstellt för de Gasten. En wunnerbaar Utblick up de See kunn man van hier ut geneten.
De Minsken, de up de Keierpadd an ’t Över langs spazeerden, sachen tofree ut, wassen fein antrucken un genoten, so as ik, de warme Sömmeravend.
Ik was in de Kuntrei na d’ Dokter west un wünskede mi dorna smaals ’n lüttje Umweg over Tüskenahn, wat mien Keerl dann ok dee.
Wi harren uns in d’ Stadt en Iesbeker günnt un wullen noch even an de See. Ik hung mien Gedanken na: Egentlik gung mi dat good, so, as de Dokter meende – dann noch ’n Ies, dat moje Weer, de Park un de See...
Wi kwammen over de lüttje Aantenbrügg (de heet bi mi so), un do sach ik de Mann! Ik sach hum genau: Hager, neet mehr so jung, süver Kleer an, en Jeansbüxen un en dunkerblau Pullover, so satt he up sien Wannerpackje. En Pullover, bi de Warmte?
Dat de hier sitt! gung mi dat dör de Kopp. Ik muss mi weer  un weer na hum umkieken, he harr so wat... Wat ’n Glück, dat de hier sitt, dat he sük traut, ok hier to sitten!
Well höört denn de Park, de See, de weke Sömmerlücht, de witte Stohlenrieg? All blot de Kurbedriev un de rieke Lüü? Of wo?
Wi harren uns an ’t Över up de Stohlen daallaten (ok wi kien Kurgasten), man ik kwamm d’r neet to, mi to bedaren of to freien, ik kunn neet langer still sitten, ik muss na de Mann hen, irgend wat doon, irgend wat mit hum delen.
Aver wat? Mi was dat schofel tomood. Mi schoot ok nix anners in, as de paar Mark, de ik bi mi harr.
Ik gung na hum hen. Nu harr he en Schild in d’ Hand, dor stunn up, dat he unnerwegens was un um en Gaav bidden dee, tegen sük sien Hood.
Ik doch: Wo mag he sük wall föhlen? Jüst hier, tüsken „sükse“ Lüü?
Ik dee fiev enkelde Markstücken in sien Hood un schaamde mi.
He see fründelk van „Moin“ un verwunnert „Danke“. Un „Noch einen schönen Abend“.
Dorbi keek ik in trürige Ogen, as van wieden sachen see mi an. So deep trürige Ogen harr ik noch nooit neet sehn.
Ik dreihde mi um, un Tranen schoten mi in de Ogen.
Ik harr noch Güldens bi mi, man de wull ik hum neet ok noch brengen, dat was mi dann doch to schaamachterg. Een, de mi wat Godes wünskede..., un dann harr he ok noch mien Tranen sehn...

Nu seggen seker wat Lüü: Bedeln un sük bedanken mit en Spröök, dat doon se all.
Ik harr sien Ogen sehn...