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*18.12.1938 in Upgant-Schott/Ostfriesland, dort aufgewachsen, danach beruflich weit in der Welt herumgekommen und lebt jetzt in Leer. Von Beruf Betriebswirt, war er lange Industriemanager, ist jetzt im Ruhestand, schreibt moderne Lyrik in ostfriesischem Niederdeutsch und möchte seine Leser die Schönheit der Regionalsprache erkennen lassen. Er legt großen Wert auf Ausdrucksweisen und Klangwirkungen der unverfälschten Sprache, die ihm seit seiner Kindheit vertraut ist, ohne Einfluss des Hochdeutschen.

Er ist Mitglied im „Arbeitskreis Ostfriesischer Autorinnen und Autoren“ und gehörte lange Jahre zu dessen Leitungsteam. In den Jahren 1999 und 2004  erhielt er den von diesem Arbeitskreis herausgegebenen Jahrespreis und in den Jahren 2003 für seine Gedichtreihe „Neje Klören“ und im Jahre 2009 für seinen Zyklus „Stoom“ den Freudenthalpreis. Im Jahre 2006 wurde ihm der erste Preis des Osnabrücker Plattfoss-Autorenwettbewerbs zugesprochen und im Jahre 2009 erreichte er den zweiten Platz beim Klaus-Groth-Preis für Niederdeutsche Lyrik. Den zweiten Platz belegte auch der Zyklus "Middsömmeravend" beim Johann-Friedrich-Dirks-Schreibwettbewerb 2013.

Veröffentlichungen u. a. in folgenden Zeitschriften und Anthologien
Nicolas Nowack (Hrsg.): Nordsee ist Wortsee. Nordsee-Poesie, eine Anthologie. Wachholtz, Neumünster 2006, ISBN 3-529-04522-5
Jan Glas, Tonko Ufkes (Hrsg.): De nije oogst. 36 Nedersaksische gedichten. Kleine Uil, Groningen/NL 2007, ISBN 978-90-77487-46-4
Gerd Constapel: Dit is de Dag – Dies ist der Tag. In: Ostfreesland 2012. Kalender für Ostfriesland. SKN Verlag, Norden 2012, S. 83
Gerd Constapel: Diss Kant Neeischanz, Loga, Raakwark, Winterdaags. In: Carl-Heinz Dirks (Hrsg.): De 100 mooiste oostfreeske plattdüütse Gedichten. Diesel-Verlag, Emden 2008, ISBN 978-3-934835-05-4
Silke-Arends-Vernholz: Ein Poet und Realist. Gerd Constapel. In: Ostfriesland-Magazin.SKN Verlag, Norden 2004, ISSN 1435-6376, S. 82-84
Gerd Constapel: Vörloop. In:  Klaus-Groth-Gesellschaft Jahrbuch 2010 Nr. 5. Boyens Buchverlag, Heide/Holstein 2010, S. 108, ISSN 1868-6737, ISBN 978-3-8042-0974-9
Gerd Constapel: Disse Dag, Green Card. In: Platt langs het Pieterpad, Stichting Het Drentse Boek, Zuidwolde/NL 2003
Gerd Constapel: Alle Gedichte des Zyklus Stoom. In: Soltauer Schriften Binneboom, Band 16, Freudenthal-Gesellschaft 2010, Seiten 75 bis 81
Gerd Constapel: Alle Gedichte der Reihe Neje Klören. In: Soltauer Schriften Binneboom, Band 10, Freudenthal-Gesellschaft 2004, Seiten 88 bis 92
Gerd Constapel: Diverse Veröffentlichungen und Beiträge in den Literaturzeitschriften "Diesel" aus Ostfriesland und "Krödde" aus Groningen/NL



Buchveröffentlichung
Gerd Constapel: Olldagsland. Niederdeutsche Gedichte von 1998 bis 2010 mit hochdeutschen  Übertragungen. Diesel-Verlag, Emden 2010, ISBN 978-3-934835-07-8



TEXTPROBEN
(aus dem Zyklus Stoom)


Vörloop

Witte Plöttjes up swarte Ackergrund,
Hoog ploogt ut dat Verleden,
Schoon wusken van de
Ewige Dookregen.

Dat un nix anners to gewahren.
Alleen de Seediek, schemerachtig,
In düüster Stillte geen Konturen,
De Röök van Rött in dumpig Lücht.

Swappelvull de Sloten, Flacken,
Nix as Water, swart Gespegel.
Gegalp van Gosen boven uns: Wahrt jo!
Wahrt jo, daar kummt wat na!

    Wi weten, wat daar achter schuult.
    De Bangigheid bekruppt uns Hart.
Wi proten, beden, ütern Troost.
Uns Stemmen hebben geen Volumen.


Übertragung ins Hochdeutsche:

Vorzeichen

Weiße Scherben auf schwarzem Ackergrund,
Hoch gepflügt aus vergangenen Tagen,
Rein gewaschen vom
Ewigen Nebelregen.

Das und nichts andres wahrzunehmen.
Allein der Seedeich, nur ein Schemen,
In dunkler Stille keine Konturen.
Geruch von Fäulnis in dumpfer Luft.

Randvoll die Gräben, tiefe Flächen,
Nichts als Wasser, schwarzes Gespiegel.
Geschrei von Gänsen über uns: Hütet euch!
Hütet euch, es kommt was auf euch zu.

    Wir wissen, was dahinter steckt.
    Die Angst beschleicht die Herzen.
    Wir sprechen, beten, äußern Trost.
    Unsere Stimmen haben kein Volumen.



Middewinter (I)

Wi hebben uns de Godden maakt
In alle Tieden al för disse swarte Nachten.
Wi stoken 't Füür an un de Schien full up
Gesichten, dat Bliede was d'r ut.

Dat Bliede bleev in 't Düüstern hento d' twalvde Dag.
De Brödensdagen leden geen Sludderee, geen witte
Waske buten up de Lien, dat Tüüg för 't egen Dodenlaken.
Bi Ulenflüggt in 't Huus, so was dat Settrecht för de
Frau'n un Kinner. De Deren in de Stallen prootden over d'
Tokummst in uns Minskentaal.

Sachtfoots leet sük en Sweem van
Bliedskupp sehn up de Gesichten.
Wi harren't over d' Tokummst sünner biester Woorden.
In uns Binnerste was dat Vernejen al an 't Smölen, dat
Lecht in d' Feernte to vermoden, dat Tovertrau'n för all wat kummt - - -


Übertragung ins Hochdeutsche:

Mittwinter (I)

Wir schufen uns die Götter
In allen Zeiten schon für diese
Schwarzen Nächte. Wir zündeten die
Feuer, der Schein fiel auf Gesichter, das
Lächeln war uns nicht gegeben.

Das Lächeln blieb noch dunkel bis zum Tage Zwölf.
Raunächte duldeten den Missstand nicht und nicht die weiße
Wäsche draußen auf der Leine, dass sie als eigne Leichentücher nicht
Verwendung fanden. Bei Dämmerung ins Haus, so war die Regel für die
Frau'n und Kinder. Die Tiere in den Ställen sprachen über
Kommende Zeiten mit menschlichen Stimmen.

Allmählich fand sich der Anflug eines
Lächelns ein auf den Gesichtern. Wir stellten
Mutmaßungen an ohne Bitterkeit. In unsrem Innern glomm der
Neubeginn, die Helligkeit war schon zu ahnen, die Zuversicht für alles Kommende - - -



Dit is de Dag

Van Kleigrund stiggt Göör, in d’ hoge Lücht glinstert

Ungewohne Lechte. Dat snoorliek Evenmaat van
Sloten, Grüppen, Richelwier dwars van d’ Diek wiest weer
Konturen wied in ’t Polderland bit hento d’ Kimm.

Schaamachtig striekt de Seewind over d’ Diek
As wenn he noit wat anners dee. En gröne Scheem
Liggt over de Gewesten, en plechtig Stillte.

Dit is de Dag, de uns dat Vörjahr ruken lett. In d’
Riege komen wi weer mit uns Land, uns gruve griese
Sülvstwunnen Land, an disse eene late Winterdag.


Übertragung ins Hochdeutsche:

Dies ist der Tag

Aus Marschenerde steigt der Duft, in hoher Luft glänzt

Ungewohnte Helle. Das schnurgerade Ebenmaß von
Gräben, Grüppen, Weidezäunen querab vom Deich zeigt
Konturen wieder weit ins Polderland zum Horizont.

Schamhaft streicht der Seewind übern Deich
Als wenn er nie was andres tat. Ein grüner Schimmer
Liegt auf Ländereien und eine feierliche Stille.

Dies ist der Tag, der uns das Frühjahr riechen lässt. Ins
Reine kommen wir wieder mit unserem Land, dem schroffen grauen
Selbstgewonnenen Land, an diesem einen späten Wintertag.